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  1. Aktuelles aus dem CJD
  2. Ausbildung schafft Innovation: Gewerkeübergreifendes Prüfungsmodul für die E-Bike-Diagnose entwickelt

Ausbildung schafft Innovation

Das Prüfungs- und Diagnosemodul bei der Übergabe an das Trainingszentrum des Saarländischen Kfz-Verbandes in Saarbrücken

Was als konkrete Herausforderung aus der Ausbildung begann, entwickelte sich im CJD Homburg zu einem außergewöhnlichen gewerkeübergreifenden Projekt:

Gemeinsam haben die Ausbildungsbereiche Fahrradtechnik, Elektrotechnik, Metall und Zerspanung einen funktionsfähigen Prototyp für die praxisnahe Fehlerdiagnose an E-Bikes entwickelt und gefertigt. Ausgangspunkt war eine Fragestellung, die mit der zunehmenden technischen Komplexität moderner E-Bikes immer wichtiger wird: Wie lässt sich die systematische Fehlerdiagnose unter realistischen Prüfungsbedingungen abbilden?

Ziel: Technisches Problem strukturiert analysieren, Fehler eingrenzen und eine fachgerechte Lösung entwickeln

Die Antwort darauf entstand nicht als fertige Lösung von außen, sondern innerhalb der Ausbildung selbst. Entwickelt wurde ein Prüfungs- und Diagnosemodul, mit dem unterschiedliche technische Fehler eines E-Bike-Systems gezielt vorgegeben beziehungsweise simuliert werden können. „Der Prüfling weiß dabei zunächst nicht, welcher Fehler im System hinterlegt wurde. Seine Aufgabe besteht darin, das E-Bike systematisch zu überprüfen, die Fehlerursache zu diagnostizieren und schließlich die fachgerechte Behebung vorzunehmen“, erklären die verantwortlichen Mitarbeitenden des CJD Homburg. Damit geht das Modul weit über ein klassisches Ausbildungswerkstück hinaus. Es ermöglicht, berufliche Handlungskompetenz unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen: Nicht auswendig gelerntes Wissen steht im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, ein technisches Problem strukturiert zu analysieren, Fehler einzugrenzen und eine fachgerechte Lösung zu entwickeln.

Gewerkeübergreifende Zusammenarbeit als Schlüssel

Eine besondere Stärke des Projekts liegt in seiner Entstehung. Panasonic spendete hierfür ein komplettes E-Bike System. Für die Entwicklung und Fertigung des Prototyps wurden die unterschiedlichen Kompetenzen mehrerer Ausbildungsbereiche zusammengeführt. Metall, Zerspanung, Elektrotechnik und Fahrradtechnik arbeiteten gemeinsam an einer technischen Lösung. Von Konstruktion und Fertigung einzelner Komponenten über die elektrotechnische Umsetzung bis zur Integration der Anforderungen moderner E-Bike-Systeme waren unterschiedliche berufliche Fachkenntnisse erforderlich. Gerade diese Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Ausbildungsberufe hinweg machte es möglich, aus einer Idee einen funktionierenden Prototyp zu entwickeln.

Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Sebastian Fath, Ausbilder im Ausbildungsbereich Fahrradmonteur. Als fachlicher Impulsgeber und Vorreiter brachte er seine Erfahrungen aus der Ausbildung sowie die Anforderungen an eine praxisgerechte E-Bike-Fehlerdiagnose in das Projekt ein und trieb dessen Entwicklung wesentlich voran. Auch Aaron Priester, ein Lehrling aus dem 2. Lehrjahr im Bereich Fahrrad, nahm bei der weiteren Umsetzung eine zentrale Rolle ein und begleitete die Zusammenarbeit der beteiligten Ausbildungsbereiche. Bei diesem Projekt hat Aaron Priester Fähigkeiten weit über das reine Ausbildungsfeld erworben und unter Beweis gestellt. 

Von der Ausbildung zur echten Entwicklungsarbeit

Die besondere Qualität des Projekts zeigt sich auch im Entwicklungsprozess selbst. Es wurde nicht lediglich eine vorhandene Konstruktion nachgebaut oder nach einer fertigen Anleitung gearbeitet. Für eine konkrete prüfungspraktische Aufgabenstellung musste zunächst eine eigene technische Lösung entwickelt werden. Das bedeutete: konzipieren, konstruieren, fertigen, elektrotechnisch umsetzen, Fehlerbilder integrieren, erproben und optimieren. Damit weist das Projekt wesentliche Merkmale professioneller Prototypen- und Produktentwicklung auf. Eine vergleichbare Einzelanfertigung extern entwickeln und herstellen zu lassen, wäre mit einem erheblichen technischen und finanziellen Aufwand verbunden gewesen. Im CJD Homburg konnten stattdessen vorhandene Kompetenzen verschiedener Ausbildungsbereiche gebündelt und unmittelbar für die Entwicklung einer praxisgerechten Lösung genutzt werden.

Ein Projekt mit Nutzen über das CJD Homburg hinaus

Besonders bemerkenswert ist, dass das Ergebnis nicht ausschließlich den eigenen Auszubildenden zugutekommt. Das entwickelte Prüfungs- und Diagnosemodul wurde dem Trainingszentrum des Saarländischen Kfz-Verbandes in Saarbrücken zur Verfügung gestellt. Dort kann es für die Ausbildung und Prüfung angehender Fahrradmonteure und Zweiradmechatroniker eingesetzt werden. Damit profitieren von der im CJD Homburg entstandenen Entwicklung auch Auszubildende anderer Ausbildungsbetriebe im Saarland. Das Projekt erhält so eine Bedeutung, die deutlich über die eigene Einrichtung hinausgeht.

Ausbildung, die etwas schafft

Das Projekt zeigt beispielhaft, was moderne berufliche Bildung leisten kann, wenn Fachwissen, praktische Erfahrung und die Kompetenzen unterschiedlicher Ausbildungsberufe zusammengeführt werden. Entstanden ist nicht nur ein technisches Prüfungsinstrument, sondern eine praxisgerechte Lösung für eine reale Anforderung der beruflichen Ausbildung und Prüfung. Gleichzeitig konnten die beteiligten Auszubildenden erleben, wie aus einer Idee über die gemeinsame Entwicklung und Fertigung ein Produkt entsteht, das anschließend tatsächlich in der beruflichen Praxis eingesetzt wird. Abschließend möchten wir Panasonic für ihre großzügige Spende und Unterstützung danken.

Aus Ausbildung wurde Entwicklung und aus einer gemeinsamen Idee ein Prüfungsmodul, von dem künftig angehende Fachkräfte im gesamten Saarland profitieren können.